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(Psalm 1(Psalm 1)
von Cornelia Weber
Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.
Liebe Gemeinde, Wir feiern heute morgen Gottesdienst im Grünen, in der Baumschule. Um uns
herum sehen wir heute morgen Bäume: Bäume, die blühen: bereit, in dem Garten, in der Anlage Wurzeln zu schlagen, in die sie gepflanzt werden. Auch jetzt in der Predigt soll es um Bäume
gehen. Um Bäume und um uns selbst, um unsere Wurzeln - und darum, worin wir unseren Halt haben, welche Früchte unser Leben trägt.
Der Predigttext für heute ist vielleicht der
bekannteste biblische Text, in dem es um einen Baum geht (Außer vielleicht der Geschichte vom Feigenbaum, die Jesus erzählt, dem die Axt schon an die Wurzel gelegt ist, weil er keine
Früchte trägt. In unserem Predigttext heute ist der Baum nicht vom Schlagen bedroht. Der Beter denkt an einen ausgewachsenen gesunden stattlichen Baum, der ihm vor Augen steht. Der ihn
beeindruckt hat, so oft er ihn sah. Und er denkt in diesen Versen darüber nach, dass sehr er selbst (oder Menschen, die er kennt) eigentlich selbst auch wie dieser Baum sein sollten: Ps
1,1-6
Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen, sondern hat Lust am Gesetz des HERRN und sinnt über
seinem Gesetz Tag und Nacht! Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Und was er macht, das gerät
wohl. Aber so sind die Gottlosen nicht, sondern wie Spreu, die der Wind verstreut. Darum bestehen die Gottlosen nicht im Gericht noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten. Denn der
HERR kennt den Weg der Gerechten, aber der Gottlosen Weg vergeht.
Ja in diesen Worten geht es um einen Menschen, der wie ein Baum sein könnte - aber gleich richtig fromm! Wohl
dem, der weder gottlos noch Sünder ist, der nicht mit macht, wenn die Spötter wieder mal Rat über jemanden halten ... sondern der Lust hat an Gottes Wort und nicht aufhört, darüber
nachzudenken: wenn er oder sie im Gottesdienst sitzt, wenn einem bei der Arbeit so manches durch den Kopf geht, wenn man nachts gelegentlich wach liegt!
Der (oder die) ist wie
ein Baum. Steht fest. Wächst und das Leben trägt Früchte. Die anderen dagegen, die nicht nach Gott fragen, sind wie Spreu, die der Wind verstreut, oder wie ein paar abgefallene Blätter,
die der Wind vor sich her treibt. Von denen hat keiner was hat, nach denen keiner fragt.
Lassen Sie uns über drei Gedanken aus diesem Psalm, der uns, die wir heute morgen hier
sitzen (oder stehen) so einen gesunden kräftigen, gut verwurzelten Baum als Vorbild hinstellt, jetzt mit einander nachdenken.
1. Gedanke: Die, die das Gegenbild zum Baum sind: Die
nämlich, die sich mit denen zusammen tun, die nicht nach Gott fragen, die nicht auf seinen Wegen gehen, sondern mit den Spöttern ihren Rat abhalten über Gott und die Welt. Wohl dem,
der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, wo die Spötter sitzen. Was sind das für Leute? Sind die bloß eine Karikatur, völlig überzeichnete
Figuren? Oder gibt es diese Leute wirklich? Trifft der Psalm mit seinen Worten tatsächlich ein Stück auch unserer Wirklichkeit heute?
Der Dichter Johann Peter Hebel, der Anfang
des 19. Jahrhunderts als Rektor in Süddeutschland arbeitete und durch seine kräftigen und eindrücklichen Mundart Dichtungen bekannt wurde, hat die Haltung, um die es hier geht, einmal
durchaus kritisch so beschrieben: Diese Leute sagen: Man muss mit den Wölfen heulen. Das heißt: Wenn man zu unvernünftigen Leuten kommt, muss man auch unvernünftig tun, wie sie.
Merke: Nein! Sondern erstlich, du sollst dich nicht unter die Wölfe mischen, sondern ihnen aus dem Wege gehn. Zweitens, wenn du ihnen nicht entweichen kannst, so sollst du sagen: “Ich bin
ein Mensch und kein Wolf. Ich kann nicht so schön heulen, wie ihr." Drittens: Wenn du meinst, es sei nimmer anders von ihnen loszukommen, so will der Hausfreund erlauben, ein- und
zweimal mit zu bellen, aber du sollst nicht mit ihnen beißen und andrer Leute Schafe fressen. Sonst kommt zuletzt der Jäger, und du wirst mit ihnen geschossen.
Das war jetzt
zwar weder allemannische Mundart noch unser oberhessisches Platt, aber es war deutlich. So sollt ihr’s nicht machen, wird da gesagt. Es gibt keine Entschuldigung dafür, mit den
Selbstgerechten über anderer Leute Leben zu richten, mit den Spöttern über anderer Leute Fehler zu lästern - kurz: mit den Wölfen zu heulen und dann auch noch mit ihnen zu beißen. Wohl
dem, der das nicht tut, sagt der Psalm. Das schadet. So ein Leben ist nichtig und leer wie Spreu, die der Wind verstreut.
2. Gedanke: Warum sind die Leute, die das trotzdem tun,
die Gottlosen, die Spötter so wie sie sind? - Weil sie eben nicht so sind wie ein Baum, sagt der Psalm. Weil sie keine Wurzeln haben. Weil sie sind wie Spreu, die der Wind verstreut,
wie Blätter, die der Wind auch an diesem Morgen einfach so vor sich her treibt. Das einzige, was sie mal für eine Weile hält, ist die Feuchtigkeit des Regens, der sie am Boden haften
lässt. Sobald die Sonne scheint und sie trocken, wehen sie weiter.
Der englische Dichter und Politiker John Milton beschrieb diese Haltung einmal in ihren Folgen für die Politik
und die Gesellschaft folgender Maßen: Die Menschen machen Gesetze wie die Schneider Kleider machen: passend für die krummen Leiber, denen wir dienen sollen, den Launen der Leute
passend, die von diesen Gesetzen regiert werden sollen. (Klingt ziemlich aktuell oder? John Milton lebte allerdings im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges in England...)
Menschen, die nicht nach Gott fragen, sich nicht an seinem Gesetz orientieren, halten sich eben an anderes: an die öffentliche Meinung, die momentane Stimmung der Leute, an den
kurzfristigen (politischen) Vorteil, an die Entwicklung der Meinungsumfragen bis zur nächsten Wahl. Sie scheuen - als Politiker oder auch als Privatperson - , die unbequeme Entscheidung,
die über den Tellerrand hinausschaut. Die aus der Vergangenheit gelernt hat und auch für die Zukunft Verantwortung übernimmt. Andere dagegen, auch wenn sie selbst jetzt keinen
unmittelbaren Vorteil davon haben, tun was sie vor Gott und den Menschen für ihre Aufgabe halten: Sie pflanzen jetzt Bäume, von denen erst die Kinder und Enkel ernten werden, weil sie an
die Bäume denken, von denen sie selber ernten und die sie auch nicht gepflanzt haben. Sie stimmen auch für politisch unbequeme Entscheidungen, wenn sie der Meinung sind, sie stellen die
richtigen Weichen für die Zukunft. Sie verlangen von anderen nichts, was sie nicht selbst zu tun bereit sind. Sie bleiben ehrlich (auch auf dem Finanzamt), auch wenn andere schon lange
lachend behaupten, dass der Ehrlich doch immer der Dumme ist. Sie haben Grundsätze und Überzeugungen, die ihnen wichtig sind. Sie haben Wurzeln. Sie sind Bäume und keine Spreu.
Damit sind wir schon beim 3. Gedanken: Bei dem, der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Und was
er macht, das gerät wohl. Der Palm sagt sehr eindrücklich, dass es nicht egal ist, was man glaubt, denn es bestimmt, wie man lebt: wofür man sich Zeit nimmt, wofür man sein Geld
ausgibt, wie man jedem neuen Tag ins Gesicht schaut, wenn man morgens die Beine über die Bettkante schwenkt. Bin ich dankbar für das, was kommt, weil ich weiß, es kommt aus Gottes Hand:
ob es schön ist oder manchmal schwer, Geschenk oder Aufgabe? Menschen, die ihre Wurzeln in Gottes Wort haben wie ein Baum seine im Grundwasser, sitzen auch nicht den ganzen Tag vor der
Bibel. Sie nehmen sich (regelmäßig) Zeit für das, was Gott ihnen sagen will: Lesen vielleicht morgens die Losung (im dem alt bekannten blauen Heftchen oder auf dem PC), gehen zum
Gottesdienst, singen Choräle (beim Arbeiten so vor sich hin oder im Kirchenchor; sie beten (Beten ist nämlich nicht reden, sondern vor allem auch hören ...) Ihnen ist das wichtig, weil
sie - anders als viele andere - wissen, dass sie diese Verbindung mit Gottes Wort zum Leben brauchen. Sie gießen nicht nur regelmäßig die Blumen, sondern versorgen auch genau so
gewissenhaft ihren Glauben mit frischem Wasser.
Wer nur alle 20 Jahre mal den Weg zum Wasser findet, braucht sich nicht zu wundern, dass sein Glaube nicht mehr wirklich im Saft
steht. Wer in diesem Wasser wurzelt, lebt einfach anders. Er lebt aus einer Haltung heraus, wie sie sich in den Liedern findet, die wir heute morgen in diesem Gottesdienst singen:
Herr, lass die Sonne blicken ins finstre Herze mein, damit sich's möge schicken, fröhlich im Geist zu sein, die größte Lust zu haben allein an deinem Wort,
das mich im Kreuz kann laben und weist des Himmels Pfort.
Mein Arbeit hilf vollbringen zu Lob dem Namen dein und laß mir wohl gelingen, im Geist fruchtbar zu sein;
die Blümlein laß aufgehen von Tugend mancherlei, damit ich mög bestehen und nicht verwerflich sei.
Zum Schluss eine Begegnung, die der Frankfurter Pfarrer Lothar Zenetti einmal beschrieben hat: Ich
traf einen jungen Mann, kerngesund, modisch gekleidet, Sportwagen, und fragte beiläufig, wie er sich fühle: Was 'ne Frage, sagte er, mies! Zuviel Stress an der Arbeit!
Ich fragte, ein wenig verlegen, eine schwer behinderte ältere Frau in ihrem Rollstuhl, wie es ihr gehe: Gut, sagte sie, es geht mir gut. Da sieht man wieder, dachte ich bei mir, immer hat man
mit den falschen Leuten Mitleid. Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.
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